Wunderbar ambitioniertes Frühlingserwachen in der Beletage

2019-04-05
 

Da nützte kein Limit und keine Begrenzung: Auch der 6. Wiener Klang-Salon von Galerie Immobilien reizte mit rund 100 Gästen die räumliche Kapazität der Beletage wieder einmal voll aus. Das war bei dem gebotenen Programm allerdings absehbar. Die Schweizerin Christina Zurbrügg konnte den 6. Wiener Klang-Salon gemeinsam mit dem österreichischen Top-Jazzer Wolfgang Puschnig, dem aus Burkina Faso stammenden Balafon-Virtuosen Mamadou Diabaté und dem italienischen Scripture-Art-Maler Ivan Cangelosi jedenfalls zu einem für alle unvergesslichen Abend machen. Wie Mamadou mit seiner prägnant tief-kehligen Stimme treffend sagte: "Wir sind - international!"

Klang-Salon Eröffnungsjodler mit Zurbrügg, Puschnig, DiabatéBeim 6. Wiener Klang-Salon am 3. April 2019 konnten wir uns - wie angekündigt - nach den langen Wintermonaten wie wiedergeboren fühlen. Aus den Hölzern von Diabatés Balafon und seiner gitarrenähnlichen Ngoni, Puschnigs Flöten und Saxophon, aus den Bildern Cangelosis strömte neue Kraft, frisch und farbenfroh. Zurbrüggs Klang-Salon-Jodler mischte diesmal professionell und gekonnt den bodenständigen Klang ihrer Ziehharmonika mit den - wohliges Fernweh erzeugenden - afrikanischen Harmonien Diabatés und Puschnigs virtuosen Flötenläufen.

 

Zurbrügg interviewt Ivan CangelosiDerart gut eingestimmt lauschte das Publikum dann fasziniert den Gedanken Cangelosis zu Einsamkeit, Frühlingsdepression und der inneren Revolution, mit der er selbst diese überwinden und in kreative Schaffensfreude verwandeln konnte. Sehr interessant waren seine Erläuterungen im Gespräch mit Christina Zurbrügg zu der von ihm entwickelten Technik der 'Scripture Art'. Mit farbigen, ganz feinen Stiften schreibt er dabei Bücher, die ihn faszinieren, Wort für Wort ab und gestaltet so bunte und reich gegliederte Bilder, denen man aus der Ferne nicht ansieht, dass sie sich aus unzähligen winzigen, 2 Millimeter großen Buchstaben zusammensetzen.

 

Ivan CangelosiIm Fall seines großen Gemäldes von Gabriel Garcia Márquez´ 'Hundert Jahre Einsamkeit', das in Originalsprache rund 400 Seiten umfasst, brauchte Cangelosi 8 Monate, um den gesamten Text des Klassikers in ein wunderschönes Bild zu verwandeln. "Es ist sehr anstrengend, das konsequent umzusetzen", meint Cangelosi in seiner sympathisch zurückhaltenden Art, "aber auch sehr schön, befriedigend und damit wieder entspannend, wenn das Bild fertig ist".

 

Wolfgang Puschnig & Mamadou DiabatéDer Gedanke, dass Musizieren anstrengend sein könnte, kam beim darauf folgenden Konzert von Mamadou Diabaté und Wolfgang Puschnig nicht einmal im Ansatz auf. Mit sichtbarem Vergnügen und einer sich rasch auf alle Gäste übertragenden Freude spielten die beiden befreundeten Musiker locker und leicht die schwierigsten Stücke. Rasch und rhythmisch die einen, harmonisch, melodiös, einfühlsam die anderen. Humorvoll stellten sie sich selbst und ihre Musik vor. Puschnig machte mit seinem virtuosen Querflöten-Kunststück 'Atem holen' die ZuhörerInnen echt atemlos und Diabaté allen klar, warum 'Geschichtenerzählen' in seiner Heimat als Beruf gilt.

  

Irina & DiabatéObwohl Puschnig mehrmals dazu einlud, doch endlich das Buffet zu eröffnen, bestand das Publikum des Klang-Salons auf mehreren Zugaben. Und zum vorletzten Stück holte sich Diabaté Hilfe aus dem Saal ans Balafon. Mit der sich freiwillig dazu meldenden Irina wurde da ein echtes Talent entdeckt, das sich nicht darauf beschränkte, die von Mamadou vorgeschlagenen Tonfolgen aus den Hölzern zu holen. Mit wachsender Begeisterung und in immer rascher werdendem Rhythmus baute sie ihren Part zur Freude von Musikern und Gästen sehr harmonisch aus.

 

Christian Krail im Gespräch mit Mamadou DiabatéBeim abschließenden Dank von Galerie Immobilien Geschäftsführer Christian Krail an alle KünstlerInnen, kam die Sprache dann auf ein Hilfsprojekt, das Mamadou Diabaté im Jahr 2002 in seiner Heimat Burkina Faso ins Leben gerufen hat. Mit einem Teil des Geldes, das er mit seiner Musik in Österreich und der ganzen Welt verdient, hat er eine Schule für über 600 Schülerinnen und Schüler gebaut.

 

Mamadou DiabatéIhm war und ist das ein Herzensanliegen. "Ich selbst konnte nicht Lesen und nicht Schreiben, als ich nach Europa kam. Meine einzige Ausbildung hatte ich im Musizieren erhalten, im Spielen des Balafons. Ich musste alles nachholen, als ich schon erwachsen und in Österreich war. Mit meiner Schule möchte ich Kindern eine Chance geben." Und so heißt auch seine Schule: Sababu (Chance).

 

Christian Krail setzt ein ambitioniertes ZielChristian Krail hat das in seiner gewohnt spontanen Art sofort aufgegriffen. Er setzte sich und allen Gästen des Klang-Salons ein ambitioniertes Ziel. Ende des Jahres 2019 und damit zum 10-jährigen Bestehen von Galerie Immobilien soll Mamadou Diabaté das Geld zum Bau einer zweiten Schule gespendet werden. 35.000 Euro sind die Latte, die Krail am Ende des wunderbaren Konzerts gelegt hat. Jetzt heißt es kräftig anpacken, um diese auch zu überspringen, Mamadou und die Kinder in Burkina Faso nicht zu enttäuschen.

 

Die kleine Fotogalerie von der Vernissage können Sie auch auf unserer Facebookseite durchstöbern.

Fotos: Regina Hügli

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